Happy Family

MEINE GESCHICHTE

Ich bin Daniela, 35, Mutter zweier wundervoller Jungs und das ist meine Geschichte - die Geschichte des Todes, das Tabuthema, welches ich vor meiner Geschichte immer furchtbar fand und abgelehnt habe, da ich damit zu diesem Zeitpunkt noch nicht konfrontiert wurde. Als Kind keine Ahnung davon, in der Schule niemals gelehrt und im Erwachsen werden nicht davon betroffen gewesen. Das Leben meinte es immer gut mit meiner Familie und ich habe, so wie es natürlich jedem ergeht, niemals daran gedacht, dass das jemals anders sein würde. 
Doch 2016 fing alles an. Mein Opa ist 2014 an Darmkrebs erkrankt. Okay dachte ich, nun hat es uns getroffen, doch auch da habe ich mich nicht mit dem Tod auseinandergesetzt, sondern war fest in dem Glauben, dass alles gut wird. Doch das wurde es nicht, denn 2016 hat er den Kampf verloren und das erste Mal war ein vom mir sehr geliebter Mensch gegangen. Ich habe es nicht verstanden, es nicht akzeptiert und so gut wie nie an die schönen Erinnerungen gedacht, sondern nur daran, dass er tot ist. Seine Beerdigung war ihm leider nicht würdig, denn meine Oma hatte ihm nach seinem Tod nichts mehr gegönnt. So bekam er einen kleinen Stein auf einer Wiese, welche man nach einer Weile nicht mehr betreten konnte, da zu viele weitere Steine dort lagen. Das dachte ich damals, kannte nur die normalen Gräber. Es waren eine Handvoll Menschen auf dieser Beerdigung, nur wir als kleine Familie. Niemand anderes durfte sich verabschieden. Das war für mich einschneidend und ich habe damals schon gewusst, dass es ihm nicht gerecht wurde. Darüber bin ich lange nicht hinweggekommen. Es ging um nichts außer den schwarzen Tod. 
Ein Jahr war vergangen und einen Tag nach dem 1. Todestag meines Opas rief mich mein Papa an (meine Eltern waren schon ewig geschieden, aber ich hatte das Glück, dass mich mein Vater über alles liebte und ich ihn, so dass wir einen sehr engen Kontakt hatten, auch durch mehrere Kilometer Entfernung.) Er sagte mir am Telefon, bei ihm wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Meine Welt brach zusammen. Ich habe das Telefon weggeschmissen und geschrien. 
Doch auch da kam mir der Tod nicht in den Sinn, keine Annahme dieses Vielleicht, kein Auseinandersetzen mit der Tatsache, dass es auch so ausgehen kann. Ein halbes Jahr später war es dann aber soweit. Auch mein Papa war tot. Ihn durfte ich palliativ begleiten und habe mich bis es passiert ist, sterbend in meinen Armen, auch nicht damit auseinandergesetzt. Danach war ich wieder nur traurig, ich habe keine schönen Erinnerungen zugelassen, weil es zu schmerzlich war. 
Doch Anfang 2018 war alles anders und nach all dem Schicksal lernte ich die Liebe meines Lebens kennen. Wusste mein Opa und mein Papa haben ihn mir geschickt. Ab da an war alles gut. Ich hatte wieder einen Mann, den Mann, mein Ich, in meinen Leben. Er lehrte mich, das Leben so auszukosten, wie es nur geht. Schon vorher war ich ein Lebemensch, doch durch die Erfahrungen sehr gemauert durchs Leben gegangen, da ich nicht nochmal Verlust erleben wollte. Egal wie. 
Es war schnell klar, das ist für immer. Nach einem Jahr heirateten wir, ich war sorgenlos, wusste, von nun an ist mein Leben perfekt und nichts kann mehr passieren. Dieses Jahr im März kam dann unser Sohn zur Welt. Meinen großen Sohn akzeptierte er auch wie seinen eignen von Tag eins an.
Doch dann schlug das Schicksal wieder zu und auch mein Ehemann wurde mir im Oktober 2020 durch einen tödlichen Autounfall weggenommen. 
Die ersten drei Tage sah ich keinen Sinn mehr in meinem Leben und wollte hinterher. 
Nach ein paar Tagen merkte ich, das Gefühl der Trauer, des Schmerzes wie bei meinem Opa und Papa waren nichts so ausgeprägt und schlimm, sondern mir wurde sofort klar - dieser Mann, mein Alles, hat mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin. Dieser Mann war eine absolute Frohnatur und ein Kautz vom Herrn. Dieser Mann ist glücklich und sorgenfrei gestorben. Dieser Mann hat sein Leben in allen Zügen gelebt, auch in den jungen Jahren. Er wäre jetzt 30 geworden. Dieser Mann hat uns ein wunderschönes Zuhaue gebaut. Dieser Mann hat mir unser Baby geschenkt. 
All das lief nur noch durch meinen Kopf und ich wusste ich werde ihm nicht gerecht, wenn ich mich in Trauer stürze und leide. 
Sofort wurde ich von der Beerdigung meines Opas getriggert und wusste, jetzt beerdige ich meinen Mann und das so gebührend wie möglich. Meine Mission war es ihn zu feiern, nicht zu trauern. Leute sollten nach der Beerdigung frei von Traurigkeit sein, mit einem losgelösten Gefühl nach Hause gehen. 
Und das habe ich geschafft! Denn ich habe den Tod in Freude und Dankbarkeit umgewandelt. Wir haben gelacht, gejubelt und alles nach seinem Wesen ausgelegt. Seine Verabschiedung war magisch.
Seit dem Tag werde ich das Gefühl nicht mehr los, auch anderen Menschen beizubringen, dass es okay und sogar absolut richtig ist, nicht in Trauer zu ersticken, sondern der geliebten Person gerecht zu werden. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht nun als zertifizierte Trauerrednerin und Trauerbegleitung, trauernden Menschen epische Reden zu schreiben, Beerdigungen zu gestalten, um Mut zu machen, positive Gefühle zu vermitteln und zu sagen, dass es okay ist, sein Leben zu lieben, denn sonst wird man der geliebten Person, welche gegangen ist, nicht gerecht. Meine Vision ist auch meine Trauerbewältigung.